Richtig Führen will gelernt sein

Wie kann ich mich als Führungspersönlichkeit weiterentwickeln? Wie gelingt der tägliche Spagat zwischen guter Stimmung im Praxisteam und betrieblicher Effizienz? Um Fragen rund um das Thema „Klarheit für Praxis und Leben“ ging es beim 9. ladies dental talk Hannover. Anregungen dazu gab es von Six Sigma Expertin Dr. Urte Hotje.

In der gemütlichen Atmosphäre des Restaurants „hofgeflüster“ in der hannoverschen Altstadt trafen sich Ende Oktober rund 25 Zahnärztinnen und Kooperationspartnerinnen auf Einladung von Dr. Karin Uphoff (ladies dental talk) und Mit-Initiatorin Dagmar Günther (Paul Hirschring Dental-Labor).

„Chefin musste ich erst lernen!“

Mit der Frage nach persönlichen „Aha-Erlebnissen“ in Bezug auf die eigene Führungsrolle eröffnete Dr. Karin Uphoff nach dem Begrüßungssekt die Netzwerk-Runde, in der neben Stammgästen auch einige neue Gesichter waren. „Ich bin von Natur aus nicht so die Führungspersönlichkeit“ gestanden einige Teilnehmerinnen, darunter junge Gründerinnen. „Chefin musste ich erst lernen!“ resümierten auch ältere Praxisbesitzerinnen. Weibliches Harmoniebedürfnis, so sahen es viele in der Runde, erschwere es mitunter, die richtige Balance als Führungskraft zu finden und „den Hut aufzubehalten“. Bei der Übernahme einer Praxis hatten einige erlebt, dass sich langjährige Mitarbeiterinnen zunächst skeptisch gegenüber Änderungen verhielten. „Das haben wir hier schon immer so gemacht!“ - diesen Spruch habe sie sich in der ersten Zeit als junge Chefin oft anhören müssen, meinte eine Teilnehmerin. Aber auch eigene Charakterzüge beeinflussen das Führungsverhalten, so eine Zahnärztin aus der Nähe Hannovers: „Ich kann in Konflikten nicht so gut durch die Blume sprechen.“

Nahbar bleiben und trotzdem Grenzen setzen

Talk-Gast des Abends war Dr. Urte Hotje, Führungskraft bei Clarios, einem international tätigen Autobatteriehersteller. Sehr anschaulich und persönlich skizzierte Hotje ihren Weg durch den männerdominierten Konzern von der jungen promovierten Chemikerin mit wenig Branchenkenntnis bis hin zur Führungskraft. „Ich werde am Anfang meistens unterschätzt, als lieb und harmlos eingeordnet. Aber dann merken sie schnell, dass ich etwas auf dem Kasten habe.“ Überraschend für die Runde ihre Mitteilung, sie arbeite mittlerweile in Teilzeit. Dazu habe sie sich entschlossen, erklärte Hotje, weil sie sich zunehmend von der Arbeit in ihrem Leben eingeschränkt fühlte, „obwohl mir mein Job immer Spaß gemacht hat!“ Sie sei jedoch nicht bereit, alles der Karriere unterzuordnen. Und sie entwickelte dabei noch eine zweite Leidenschaft. Parallel zu ihrer Konzerntätigkeit begleitet sie Managerinnen und Manager als Coach im Beruf. Ihr Tipp für die Zahnärztinnen lautete, trotz aller Empathie für die Belange des Teams auf eine gewisse Abgrenzung zu achten. Wichtig sei es beispielsweise, sich Probleme anderer nicht zu eigen zu machen, meinte die Expertin. „Wie kann es gelingen, nahbar zu bleiben und trotzdem Grenzen zu setzen?“ fragte Dr. Karin Uphoff ihren Talk-Gast. Hotje betonte die Bedeutung von Klarheit und riet zum Mut, einfach einmal unterschiedliches Verhalten auszuprobieren: „Morgen mache ich mal EINE Sache anders!“

Der Abend endete beim leckeren Dinner mit anregenden Gesprächen unter Kolleginnen und mit den anwesenden Expertinnen aus den Bereichen Abrechnung (Ines Gosda, PVS dental), Finanzierung (Sabrina Lappe, apoBank), Zahntechnik (Dagmar Günnther, Paul Hirschring Dental-Labor), Steuern (Ingrid Kruse-Lippert, Kruse-Lippert Steuerberatung), Online-Fortbildungen (Bettina Schmädeke, E-WISE) und PR (Ines Goetsch, Freie Journalistin).

Der nächste ladies dental talk Hannover findet statt am 29. April 2020 im Madsack Medien Campus zum Thema „Teammitglieder finden, fördern und binden“.

 

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