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Petra Knödler

Experten-Tipp: Telematik-Infrastruktur

Das Zeitalter der Vernetzung im Gesundheitswesen hat begonnen –
Was steht für Praxisinhaber jetzt an?

Autorin:
Petra Knödler, Marktgebietsleiterin bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens rückt näher. Der Gesetzgeber hat mit dem E-Health-Gesetz dafür den Fahrplan festgelegt. Das Herzstück ist die Einführung der Telematik-Infrastruktur (TI), die künftig die Stammdaten der Patienten vernetzen soll, mit dem Ziel, einen besseren Zugang zu Diagnosen und Medikation sowohl für die Ärzte als auch für die Patienten zu gewährleisten. Im ersten Schritt geht es um die grundsätzliche Vernetzung bis Ende 2018. Damit sollen alle Praxen die Versichertenstammdaten schnell und sicher zentral abgleichen können. Die für den TI-Aufbau von der Politik bestellte gematik hat dafür 2017 den Startschuss gegeben: Geräte sind beauftragt worden (zum Teil auch schon lieferbar), die Abläufe und Finanzierungsfragen sind geklärt worden. Jetzt geht es an die Umsetzung des Vorhabens.

Davon betroffen sind auch über 42.000 Zahnarztpraxen. Für Praxen, die bereits mit einer Praxisverwaltungssoftware (PVS) arbeiten, werden die Änderungen überschaubar bleiben. Aus der Pilotphase wissen wir, dass die Installation und der Betrieb des so genannten „TI-Pakets“ problemlos liefen. Die ersten Erfahrungen waren positiv und zeigten, dass der Stammdatenabgleich insgesamt wesentlich effizienter zu handhaben sei.

Den Anschluss nicht verpassen

Die Bedenken, die derzeit am lautesten geäußert werden, betreffen die praktische Umsetzung: Durch Verzögerung bei Produktion und Genehmigung sind die notwendigen Geräte für die TI nicht in der Vielfalt vorhanden, wie es marktwirtschaftlich angemessen wäre. Mögliche Strafzahlungen, die bei einer verspäteten Implementierung drohen, werden kritisiert. Aus unserer Sicht werden sich beide Probleme ab 2018 relativieren, dann nämlich, wenn die TI-Pakete weiterer Anbieter zertifiziert wurden und wirklich mit dem Betrieb begonnen wird. Die Strafzahlungen, die eine ausreichende Installationsfrist berücksichtigen, müssten dann nochmal auf den Prüfstand.

Die Informationen, die zur TI vorliegen, sind teilweise widersprüchlich oder verwirrend. Doch die Inbetriebnahme einer vernetzten Praxis ist kein Hexenwerk. Es gibt zwar eine Reihe von Geräten, die erworben und Software, die installiert werden muss. Die Instandsetzung kann mit fachmännischer Hilfe aber in etwa vier bis fünf Stunden erledigt werden. Der PVS-Anbieter ist der erste Ansprechpartner, der auch Beschaffung und Installation organisiert.

Unverzichtbare Bestandteile sind:

  • eine sichere Datenleitung, einen sog. VPN-Tunnel, der höchste Sicherheit bei der Datenübertragung gewährleistet
  • der „Konnektor“, der die Verbindung zur TI herstellt, eine Art DSL-Router, der die Verbindung zwischen Praxiscomputer und VPN-Verbindung herstellt
  • ein neues Kartenlesegerät, das das herkömmliche ersetzt
  • einen Praxisausweis, eine Art SIM-Karte, mit der die Praxis sich in das System einwählt und eindeutig ausweist
  • Optional ein mobiles Kartenlesegerät


All diese Komponenten werden bei der Anschaffung zum großen Teil von den Krankenkassen finanziert. Wichtig für die Erstattung ist der Zeitpunkt, zu dem die TI zum ersten Mal eingesetzt worden ist. Wer also die Komponenten jetzt schon erwirbt, aber erst im Februar 2018 nutzt, das heißt, den ersten Stammdatenabgleich vornimmt, bekommt weniger rückerstattet. Prinzipiell sinken die Erstattungsbeiträge um 10 Prozent je Quartal. Die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen empfehlen in der Regel, mit dem Erwerb des TI-Pakets zu warten, bis mehrere Anbieter auf dem Markt sind. Derzeit existieren schon Komponenten der CompuGroup, weitere, u.a. von DGN und medisign, stehen kurz vor der Zulassung. In der Regel kalkulieren die Anbieter die Geräte so, dass sie Eins zu Eins von den Krankenkassen erstattet werden. Und zwar mit der ersten Abrechnung im neuen System. Dazu kommt eine Pauschale für den laufenden Betrieb.

In wenigen Schritten zu TI

Ein zentrales Element der TI-Implementierung ist das Update der Praxissoftware. Das TI-Paket, also Konnektor, Kartenlesegerät und der VPN-Zugang, kann erst dann installiert werden, wenn das Update vorhanden ist – hierzu halten die PVS-Anbieter entsprechende Informationen bereit. Ein speziell dafür geschulter Dienstleister vor Ort (DVO) kümmert sich um die Installation und die Einweisung des Praxispersonals.

Wer noch mit dem Kauf des TI-Pakets warten möchte, kann trotzdem schon Vorbereitungen treffen: Für die wenigen Praxen ohne Internetanschluss ist es natürlich vordringlich, sich einen solchen anzuschaffen. Außerdem ist auf ein aktuelles Betriebssystem auf den Praxisrechnern zu achten – im Zweifelsfall hilft der PVS-Anbieter hier weiter. Dazu kommt: Der Praxisausweis, der Praxen in der TI eindeutig identifiziert, muss gesondert bei der zuständigen KZV beantragt werden. Die Erstellung dauert ca. vier Wochen.

Prinzipiell bleibt festzuhalten, dass der Weg hin zu einer digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen zwar langsam und zäh verläuft, doch das Ziel ist in Sicht. Die unmittelbaren Vorteile, die sich dadurch ergeben, erleichtern die sektorübergreifende Kommunikation und vereinfachen die administrativen Prozesse. Gerade zahnmedizinische Befunde können in naher Zukunft bessere Berücksichtigung bei ärztlichen Diagnosen finden.

Die Implementierung der datensicheren TI ist allerdings nur das Tor zu einer echten digitalen Zukunft im Gesundheitsmarkt. Viele Anwendungen kennen wir heute noch gar nicht. Bildlich gesprochen haben wir sozusagen das Smartphone, und die Apps müssen noch entwickelt werden / auf weitere Apps sind wir noch gespannt.


Autorin:

Petra Knödler, Marktgebietsleiterin bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank


Deutsche Apotheker- und Ärztebank
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