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Experten-Tipp: Praxisführung

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Binden sie Ihre Mitarbeiter mit attraktiven Leistungen

Autorin: 
Gabriele Bengel, Versicherungsexpertin, Praxisberaterin und Coach  (to:dent.ta GmbH Hamburg)


Einleitung:

Viele Zahnärztinnen suchen händeringend nach guten, zahnmedizinischen Fachkräften. Diese bekommen sie nur, wenn sie ihre Mitarbeiter emotional an die Zahnarztpraxis binden. Damit das gelingt, müssen neben dem Gehalt auch weitere Faktoren stimmen. Dazu zählen etwa Sozialleistungen, ein wertschätzendes Miteinander, die Qualität der Führung, Karrierechancen  und die Freiheiten, selbstständig zu handeln und den eigenen Arbeitsplatz mitzugestalten.

Erfahrungsbericht aus der Zahnarztpraxis

„In meiner Praxis schieden nahezu zeitgleich zwei Mitarbeiterinnen aus: eine wurde schwanger, die andere hat gekündigt. Sie fand eine interessante Stelle in einem medizintechnischen Betrieb mit höherem Gehalt und flexibler Arbeitszeit. Monatelang suchte ich händeringend nach guten, zahnmedizinischen Fachkräften. Es war chaotisch. Wir mussten die Terminvergabe einschränken.“  Solche Berichte höre ich immer häufiger auch von Zahnärztinnen.  Es ist zunehmend schwierig, qualifizierte Fachkräfte zu finden – und zu binden. Der Arbeitsmarkt wandelt sich. Während noch vor einigen Jahren Schulabgänger froh waren, wenn sie überhaupt irgendeine Ausbildungsstelle gefunden hatten, so sind es jetzt in vielen Branchen die Arbeitgeber, die erleichtert sind, wenn sie ihre Ausbildungsplätze und die offenen Stellen besetzt haben.

23 Prozent der Arbeitgeber haben innerlich gekündigt

In diesem Wettbewerb um gute Fachkräfte ist es auch für Zahnarztpraxen wichtig, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Nur – wann wird ein Arbeitgeber als attraktiv empfunden? Wann empfinden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine emotionale Bindung an den Arbeitgeber? Das Institut Gallup führt dazu seit 2001 jährliche Befragungen von Arbeitnehmern durch und veröffentlicht den „Engagement-Index“ (www.gallup.com).  „Auch im Jahr 2011 ist es Führungskräften in Deutschland nicht gelungen, ihre Mitarbeiter mitzunehmen: 23 Prozent der Beschäftigten haben innerlich bereits gekündigt. 63 Prozent der Arbeitnehmer machen Dienst nach Vorschrift und spulen lediglich das Pflichtprogramm ab. Einzig 14 Prozent der Angestellten verfügen über eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber und sind bereit, sich freiwillig für dessen Ziele einzusetzen. Dies ist das Ergebnis des Gallup Engagement Index 2011, den das Beratungsunternehmen am 20. März in Berlin vorgestellt hat.“ (Pressemitteilung Gallup).

Diese und viele andere Studien und Befragungen zeigen deutlich: die Attraktivität eines Arbeitgebers ist nicht alleine vom Gehalt abhängig. Vielmehr spielen Sozialleistungen, der Umgang miteinander, die Qualität der Führung, die Teamstärke, Wertschätzung und der eigene Handlungs- und Gestaltungsspielraum eine große Rolle.

Was können Sie nun konkret tun, um Ihre Zahnarztpraxis fit für den Arbeitsmarkt zu machen?
Hier ein paar Tipps:

Sozialleistungen

Bieten Sie eine betriebliche Altersversorgung an. Es gibt verschiedene Modelle und Möglichkeiten, die Versorgung so zu optimieren, so dass Steuern und Sozialversicherungsabgaben eingespart werden können – und zwar sowohl beim Arbeitnehmer als auch beim Arbeitgeber. Wenn Sie Zeit und Arbeit dabei sparen möchten, holen Sie sich professionelle Unterstützung. Achten Sie dabei darauf, dass Sie sich von speziell für die betriebliche Altersvorsorge zertifizierten Fachleuten beraten lassen.

Nutzen Sie schon die 44 Euro-Regelung? Nach einem BFH-Urteil vom 14.04.2011 sind Beiträge des Arbeitgebers, die dem Arbeitnehmer als Sachlohn gewährt werden, in Höhe von maximal 44 Euro im Monat steuerfrei. Insoweit sind auch keine Beiträge zur Sozialversicherung zu entrichten. Unter diese Regelung fällt auch eine betriebliche Krankenversicherung. D.h. Sie können Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  ergänzende Gesundheitsvorsorge beschaffen und zeigen damit, dass Ihnen Ihre Angestellten und deren Gesundheit am Herzen liegen. Nicht alle Versicherer bieten die betriebliche Krankenversicherung an, doch gibt es inzwischen eine akzeptable Anzahl von Anbietern. Manche machen die betriebliche Krankenversicherung nur für große Firmen, andere bieten diese Möglichkeit auch Praxen mit wenigen Angestellten an. Informieren Sie sich vorab, welcher Anbieter zu Ihnen und Ihrer Praxis passt.

Seien Sie ein Vorbild

Auf der Seite der sogenannten „Soft Skills“ – also der „weichen, menschlichen“ Faktoren, die die Arbeitsatmosphäre prägen, können Sie ebenfalls viel dafür tun, als attraktiver Arbeitgeber  gesehen zu werden. Dazu ist zunächst einmal wichtig wahrzunehmen, wie Sie mit sich selbst umgehen. Wie gut führen Sie sich selbst? Wie gehen Sie mit Belastungen um? Fühlen Sie sich in Ihrer Praxis wie der Fels in der Brandung? Oder eher wie ein Hamster im Rad? Wenn Sie meinen, im Hamsterrad zu sitzen, dann wird es höchste Zeit für einen Stopp – damit Ihre Leistungsfähigkeit langfristig erhalten bleibt. Gönnen Sie sich ein paar Stunden Auszeit, um Ihre Situation zu reflektieren, Ihren „Antreibern“ auf die Spur zu kommen, Ihr Führungsverhalten zu hinterfragen und bei Bedarf Ihre Verhaltensmuster zu wandeln. Ein gut geführter Coachingprozess, der auf eine ganzheitliche Betrachtung von Person und Umfeld achtet, kann dabei  hilfreich sein.

Motivation stärkt den Zusammenhalt

Für die Stärkung Ihres Teams können Sie ebenfalls viel tun. Warum nicht mal die Weihnachtsfeier ganz anders gestalten? Zum Beispiel mit einem Impuls-Seminar, in dem gezeigt wird, wie Kommunikation gelingt. Und welche Wirkung unsere Sprache auf uns selbst und den Angesprochenen hat. Dem könnte sich ein gemeinsames Kochen anschließen, bei dem die erlernten Kommunikationsregeln gleich geübt werden. Das macht viel mehr Spaß, als „nur“ gemeinsam in ein Restaurant zum Weihnachtsessen zu gehen. Und es fördert nachhaltig den Teamgeist. Natürlich gibt es auch außerhalb der Weihnachtszeit viele Möglichkeiten, ein wirklich gutes Team zu schmieden.

Der Ton macht die Musik

Zuletzt möchte ich gerne noch auf die Kommunikation in der Praxis eingehen. Achten Sie bewusste auf Sprache? Wie wirkt es auf die Patientin, wenn die Mitarbeiterin durch den Gang ruft:  „Nummer 3 sitzt schon!“ ? Ist es nicht viel angenehmer, wenn die Mitarbeiterin Ihnen in gemäßigter Lautstärke mitteilt: „Die nächste Patientin, Frau Müller, erwartet Sie in Zimmer 3“. Beobachten Sie sich selbst auch. Sagen Sie manchmal „Ich muss noch schnell den Patienten fertig machen, dann komme ich.“ Oder eher: „Ich beende die Behandlung von Herrn Maier. Danach werde ich zu ihnen kommen.“ Ein achtsamer Umgang mit der Sprache hat eine enorme Bedeutung für die Atmosphäre, die Ihre Praxis ausstrahlt. Das gilt im Umgang mit dem Team ebenso wie im Umgang mit Patienten. Oftmals sind es nur kleine Formulierungen, die entscheiden, ob Mitarbeiter und Patienten  Wertschätzung empfinden oder nicht. Ob sie sich wohlfühlen und bleiben  –  oder weggehen.

Fortbildungen als Bindungsinstrument

Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Chance, sich stets weiterzuentwickeln. Das motiviert und letztendlich profitiert die Zahnarztpraxis von qualifiziertem Personal. Fördern Sie auch Ambitionen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Wer  gewisse Freiheiten in Handlungsspielräume bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes hat, ist zufriedener und übernimmt mehr Verantwortung. Das wiederum fördert die Identifizierung mit Ihnen als Arbeitgeberin.

Und für alle Zahlen- und Tabellenfans: Ein Blick in die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigt die aktuelle Situation. Und in den regionalen Fachkräftemonitoren, die für jeden im Internet zugänglich sind (z.B. www.ihk-fachkraefte-nrw.de) kann man den langfristigen Trend im Hinblick auf den Fachkräftemangel in Deutschland nach Wirtschaftszweigen recherchieren. Das gesamte Gesundheitswesen steht dabei vor einer großen Herausforderung. Bereits jetzt kann in vielen Regionen im Durchschnitt jede 10. Stelle gar nicht mehr besetzt werden.

 

Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zum Thema „Mitarbeiter finden – Mitarbeiter binden“ wünschen, nehmen Sie gerne Kontakt auf unter gabriele.bengel@todentta.de oder telefonisch unter 0711-69306435, mobil 0176-55311118.


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