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So gestalten Sie Ihre Abrechnung richtlinienkonform

 

Autorin:
Petra Karl, Leitung Beratung und Senior Consultant bei prodent consult, einer Tochterfirma von Pluradent

Hat eine Zahnärztin die Zulassung zur vertragszahnärztlichen Versorgung erhalten, verpflichtet sich diese nach dem fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) sowie den Bundesmantelverträgen und den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses abzurechnen. Verstöße gegen die richtlinienkonforme Abrechnung fallen häufig bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen auf.

Und dann kann es teuer werden. Richtig unangenehm können auch Nachlässigkeiten in der Dokumentation und Patientenaufklärung sein. Nämlich dann, wenn der Patient klagt. Bei unseren Abrechnungsanalysen stellen wir immer wieder fest, dass überwiegend Unwissen die eigentliche Ursache von Mängeln ist. Davon sind alle Bereiche betroffen: angefangen bei den Früherkennungs-Untersuchungen und Prophylaxe über konservierend/chirurgischen Behandlungen und Parodontologie bis hin zur Implantologie und Kieferorthopädie.

Die Unkenntnis der Richtlinien wirkt sich dann – und das ist die eigentliche Gefahr – als systematischer Fehler auf die gesamte Abrechnung aus. Unkenntnis ist daher ein potenzieller Risikofaktor, der das gesamte Praxisergebnis zunichte machen kann.

Zu den besonders kritischen Punkten zählen in der Abrechnung: die genaue Leistungsabrechnung, Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes, Mitwirkungspflicht, die Präsenz- und Residenzpflicht sowie die Einhaltung des Sachleistungsprinzips. Seit Ende Februar dieses Jahres gilt es zusätzlich noch die Anforderungen des Patientenrechtegesetzes zu beachten.

Wer schreibt, der bleibt

Immer wieder stoßen wir bei unserer täglichen Arbeit auf Mängel in der Dokumentation. Dabei ist sie der Dreh- und Angelpunkt einer hieb- und stichfesten Abrechnung. Eine lückenlose und vor allem zeitnahe Dokumentation – am besten gleich im Behandlungszimmer – ist noch immer der beste Schutz gegen Beanstandungen und fehlende Informationen. Absolut notwendig ist sie insbesondere in Praxen mit mehreren Behandlern. Was genau wurde dem Patienten empfohlen? Die Extraktion, Wurzelbehandlung oder vielleicht doch das Implantat? Wer das nicht sofort notiert, hat es später schwerer.

Es gilt festzuhalten: Eine nicht vermerkte Leistung ist eine nicht erbrachte Leistung. Daher sollte man die Dokumentationspflicht als Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der eigenen Praxis sehen. Zudem kommen Sie als Praxisinhaberin damit auch der vertragszahnärztlichen Mitwirkungspflicht (gemäß Paragraf 3, Absatz 7 der Satzung) nach. Denn nur wer sauber dokumentiert, kann jederzeit Unterlagen, Dokumente und vieles mehr zur Auskunftserteilung und zur Erläuterung prüfrelevanter Sachverhalte vorlegen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem das neue Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten (Patientenrechtegesetz). Dadurch wurden die Rechte der Patientinnen und Patienten gestärkt und auch transparenter.

Ich bin dann mal weg

Für Vertragszahnärzte gilt die Präsenz- und Residenzpflicht. Nicht nur, dass sie sich an die Sprechzeiten zu halten haben, sie müssen während dieser Zeit auch in der Praxis anwesend sein, wenn Sie an Mitarbeiter/innen Aufgaben am Patienten delegieren wie zum Beispiel professionelle Zahnreinigung oder die Abdrucknahme (Paragraph 24, Absatz 2 der Zulassungsverordnung – Zahnärzte). Somit lassen sich die Aufgaben der Zahnärztin/des Zahnarztes nur begrenzt delegieren. Tätigkeiten im Rahmen der Prophylaxe – das Gleiche gilt auch für die Bereiche KFO und Prothetik – können zwar an fortgebildete zahnärztliche Fachangestellte delegiert werden, doch im Haftungsfall ist eine Entlastung nur möglich, „wenn die Zahnärztin/der Zahnarzt nachweisen kann, dass sie/er sowohl in der Auswahl wie in der Überwachung die erforderliche Sorgfalt hat walten lassen“ (vgl. „Delegationsrahmen der Bundeszahnärztekammer für Zahnmedizinische Fachangestellte“).

Die Sache mit den Zuzahlungen

Grundsätzlich ist die Zahnärztin/der Zahnarzt verpflichtet, seine Behandlungsleistung als Sachleistung zu erbringen. Eine Verletzung dieses Sachleistungsprinzips stellen unerlaubte Zuzahlungen dar, wie beispielsweise bei Wurzelbehandlungen. Hier ist genau definiert, welche Leistungen zusätzlich berechnet werden dürfen, da diese in der BEMA nicht enthalten sind.

Fazit

Eine richtlinienkonforme Abrechnung setzt voraus, dass Sie als Zahnärztin eine Vielzahl von Regelungen und Pflichten kennen. Werden diese befolgt und eingehalten, führt das zu einer korrekten Behandlung und Abrechnung.

Wenn Sie Fragen zum Thema Abrechnung haben, rufen Sie mich gerne an oder schicken mir eine Mail. 0 69 / 80 10 46-70, petra.carl@prodent-consult.de.

 

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