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Petra Knödler, Leiterin des Marktgebiets Mitte bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

Experten-Tipp: Finanzierung

Die passende Praxisform finden

Teil 2: BAG und MVZ

Lesen Sie auch Teil 3:  „Praxisgemeinschaft“.

 

Autorin:                                                                                                          

Petra Knödler ist
Leiterin des Marktgebiets Mitte bei der
Deutschen Apotheker- und Ärztebank.
Die Förderung von Heilberuflerinnen ist ihr ein besonderes Anliegen.


Zahnärztinnen und Zahnärzten stehen heute viele Türen offen, ihren Beruf in Selbstständigkeit auszuüben. Im ersten Teil des Beitrags „Die passende Praxisform finden“ haben wir die Besonderheit der Einzelpraxis unter die Lupe genommen. Im zweiten Teil möchten wir Ihnen die Modelle Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) vorstellen mit Informationen auch zur Finanzierung.

BAG und MVZ: Eine gute Wahl für Teamplayer und Unternehmertypen

Wer gerne alleine entscheidet und unabhängig sein möchte, ist mit einer Einzelpraxis gut aufgehoben. Für diejenigen, die lieber in einem größeren Team arbeiten, die sich gern mit Kolleginnen und Kollegen austauschen und die Verantwortung für die gesamte Praxis auf mehrere Schultern verteilen möchten, empfiehlt sich eine  Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) oder ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). In diesen Kooperationsformen besteht die Möglichkeit, mit einer Kollegin/einem Kollegen oder mehreren weiteren Zahnärztinnen/Zahnärzten eine Praxis zu führen. Die Praxisinhaber/innen teilen sich den gemeinsamen Patientenstamm und rechnen gegenüber der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) unter einer Abrechnungsnummer ab. Der Gewinn wird nach einem individuellen Gesellschaftervertrag aufgeteilt, der das Innenverhältnis regelt.

Flexible Arbeitszeitgestaltung

Seit vergangenem Jahr erlaubt der Gesetzgeber die Gründung von MVZ gleicher Fachrichtungen. Damit ist auch diese Kooperationsform für Zahnärztinnen/Zahnärzte attraktiv, besonders für die, die Freude am Unternehmertum haben und mit ihrer Zahnarztpraxis wachsen wollen. Denn hier gibt es keine Begrenzung, was die Anzahl der angestellten Zahnärztinnen/Zahnärzte betrifft. Und der Gestaltungsspielraum ist besonders groß.

Das gilt etwa für die Arbeitszeiten, die sich bei mehreren Zahnärztinnen/Zahnärzten eflexibler gestalten lassen. In einem größeren internen Fachkreis können zudem komplexe oder problematische Fälle diskutiert und Fragen zur Behandlung schnell und kompetent beantwortet werden.

Gemeinsam investieren, gemeinsam wachsen

In größeren Strukturen, die schon mittelständischen Unternehmen ähneln, sind auch höhere oder zusätzliche Investitionen einfacher zu bewerkstelligen. Das gilt etwa für die Praxis-Ausstattung, medizinische Geräte, interne Fortbildungen oder Coachings für Mitarbeiter/innen. Darüber hinaus lassen sich Kosten einsparen, beispielsweise indem sich mehrere Zahnärztinnen/Zahnärzte ein Röntgengerät teilen oder Mengenrabatt auf Materialkosten erhalten.

Gemeinsam führen, heißt Kompromisse einzugehen

MVZ können von zugelassenen Zahnärzt(inn)en gegründet werden. Die zahnärztliche Leitung kann selbst als Vertragszahnärztin/-zahnarzt oder als Angestellte/r im MVZ arbeiten. Abhängig von der Rechtsform muss die Geschäftsführung nicht in zahnärztlicher Hand liegen. Der Betrieb ist mit angestellten und/oder selbständigen Zahnärzt(inn)en möglich.

Für jede Art von Kooperation gilt, die Auswahl der Partner/innen wohl überlegt zu treffen und nicht auf dem eigenen Standpunkt zu beharren. Denn eine Praxis gemeinsam zu führen, bedeutet, Kompromisse zu schließen. Wer Entscheidungen lieber allein trifft, kann eine Einzelpraxis gründen/übernehmen oder  auch ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) als Ein-Mann/Ein-Frau-Gesellschaft. Dies kann jederzeit expandieren.

Was kostet eine eigene Praxis?

Die jährlichen Analysen der Deutsche Apotheker- und Ärztebank und des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) untersuchen unter anderem auch den jeweiligen Investitionsbedarf je nach Art der Praxisgründung: Für 2014 lag der durchschnittliche Investitionsbedarf bei Neugründung einer Einzelpraxis bei etwa 360.000 Euro. Deutlich weniger investierten Zahnärztinnen/Zahnärzte, wenn sie sich zur Neugründung einer BAG entschlossen haben: Hierbei fielen pro Kopf im Schnitt 280.000 Euro an. Am wenigsten investierten  Zahnärztinnen/Zahnärzte, die zusammen mit einem oder mehreren Partner(inne)n eine Praxis als BAG übernahmen. In diesen Fällen entfielen durchschnittlich 223.000 Euro pro Praxisinhaber/in an. Wer sich im Rahmen einer Kooperation selbständig machen möchte, kann außerdem in eine bereits vorhandene Praxis eintreten - sei es als weiterer Inhaber oder durch den Kauf von Praxisanteilen eines ausscheidenden BAG-Mitglieds. In diesen Fällen investierten die Zahnärztinnen/Zahnärzte 2014 durchschnittlich 251.000 Euro.

 

Nähere Informationen zur Praxisgemeinschaften finden Sie in Teil 3 unseres Beitrags.

In jedem Fall empfiehlt sich ein persönliches Beratungsgespräch mit der Bank des Vertrauens, um die für Sie am besten geeignete Praxisform zu finden.

 

Kontakt:

Petra Knödler
Leiterin des Marktgebiets Mitte

Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Niederlassung Frankfurt
Mainzer Landstraße 275
60326 Frankfurt
Tel. 069-795092-900