Start > Fachinfos > Existenzgründung > Praxismodelle

Experten-Tipp: Fianzierung

Praxismodelle, die zum Leben passen

 

Autorin:
Petra Knödler, Marktgebietsleiterin bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank


Mit den Änderungen im Berufs- und Vertragsarztrecht der letzten Jahre können Sie Ihren Beruf als Zahnärztin so flexibel wie nie ausüben. Viele Modelle lassen dabei Raum für Familienplanung und eine Work-Life-Balance. Berufsausübungsgemeinschaften etwa verschaffen Freiräume. Zudem können junge Zahnärztinnen vom Austausch mit erfahrenen Kolleg/innen profitieren. Damit die Existenzgründung ein Erfolg wird, müssen die betriebswirtschaftliche Planung und die Finanzierung mit den eigenen Wünschen abgeglichen werden. Welche Versorgungs- und Kooperationsformen es gibt und was es aus finanzieller Sicht zu bedenken gilt, erfahren Sie im Experten-Tipp.

Wer kennt ihn nicht, den Traum von der eigenen Praxis. Doch wer sich mit einer Existenzgründung näher befasst, sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert: Welche Praxisform ist für mich die richtige? Und wie stelle ich mein Vorhaben betriebswirtschaftlich und finanziell auf sichere Beine? Wie bekomme ich Familie und Selbständigkeit unter einen Hut?

Immer mehr Frauen strömen in die Zahnmedizin. Darunter sind viele, die der Generation Y angehören. Also Männer und Frauen, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Sie stellen hohe Ansprüche an ihren Beruf, wollen flexibel bleiben und legen vor allem viel Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben. Diese Kriterien beeinflussen die Entscheidung über die Art der Selbständigkeit mit.

Zum Erfolg einer Existenzgründung gehört die Leidenschaft für den Beruf, ein klares Praxiskonzept und damit genaue Vorstellungen, wie man seine Praxis positionieren möchte. Meine Erfahrungen bestätigen, dass es gerade für Frauen wichtig ist, ihren Weg konsequent zu verfolgen, innovativ zu bleiben und die Herausforderungen, die der Beruf mit sich bringt, anzunehmen.

Auf den ersten Blick scheuen manche Frauen die finanzielle Verantwortung, weil jede Existenzgründung naturgemäß mit einem gewissen finanziellen Risiko verbunden ist. Sie tun gut daran, sich im Vorfeld gründlich zu informieren und beraten zu lassen.

Neugründung oder Übernahme

Zunächst sollte die Wahl der Praxisform gut überlegt sein. Denn ob Übernahme einer bestehenden Einzelpraxis, deren Neugründung oder Eintritt in eine Berufsausübungsgemeinschaft – jede Möglichkeit hat Vor- und Nachteile. Für die Praxisübernahme spricht, dass Existenzgründerinnen auf den vorhandenen Patientenstamm aufbauen können. Medizintechnische Geräte sind in der Regel schon vorhanden und machen bei einer Praxisübernahme einen deutlichen geringeren Anteil an den gesamten Investitionen der Existenzgründung aus. Allerdings müssen Neuanschaffungen eingeplant werden.

Neugründerinnen wiederum können zwar nicht auf die Praxisausstattung und Erfahrungswerte ihres Vorgängers zurückgreifen, haben dafür aber mehr Gestaltungsfreiraum: Sie können sich ihr Mitarbeiterteam selbst zusammenstellen und leichter Einfluss auf die Gestaltung der administrativen Abläufe und die Praxisorganisation nehmen.

Neue Arbeitszeitmodelle durch Kooperationen

Wer sich für den Beruf der Zahnärztin entscheidet, entscheidet sich für einen arbeits- und zeitintensiven Beruf. Gepaart mit dem Wunsch vieler Patienten nach flexiblen und bis in die Abendstunden reichenden Öffnungszeiten, stellt sich schnell die Frage nach einer geregelten Work-Life-Balance und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Kann ich es mir als Selbstständige leisten, eine Babypause einzulegen? Wie organisiere ich die Kinderbetreuung? Ist die Praxis noch rentabel, wenn ich meine Arbeitszeit reduziere? Was passiert im Krankheitsfall? Mit diesen Fragen sind Zahnärztinnen nicht alleine. Ob mit Teilzulassung, als überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft, als Teilberufsausübungsgemeinschaft, ob in Anstellung oder als Nebentätigkeit oder mit erweiterter Vertretungsmöglichkeit: Durch die Änderungen im Berufs- und Vertragsarztrecht der letzten Jahre sind die Möglichkeiten zur Berufsausübung so flexibel wie nie. Kooperationen werden dabei in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Einen Überblick über die verschiedenen Kooperationsformen finden Interessierte unter www.apobank.de/generation_y.

Vorhaben betriebswirtschaftlich analysieren

Ist schließlich die Entscheidung für eine bestimmte Form der Niederlassung getroffen, gilt es, das Vorhaben betriebswirtschaftlich und finanziell auf sichere Beine zu stellen. Hierbei hilft eine so genannte Investitions- und Kostenberatungsanalyse, wie sie etwa von der apoBank bei Existenzgründungsvorhaben standardmäßig durchgeführt wird. Im Rahmen einer solchen Analyse wird der erforderliche Praxisumsatz auf Basis der geplanten Investitionen, Finanzierungen sowie Praxis- und Privatkosten ermittelt. So lässt sich genau planen, ob die individuellen Vorstellungen realisierbar sind und an welcher Stellschraube eventuell noch gedreht werden muss, um die Existenzgründung erfolgreich zu gestalten.

Individuelles Finanzierungskonzept

Wenn die betriebswirtschaftliche Planung abgeschlossen ist, geht es im nächsten Schritt an die Finanzierungsplanung. Die konkrete Ausgestaltung des Finanzierungskonzepts orientiert sich immer an der beruflichen und privaten Situation der Darlehensnehmerin. Über die klassischen Bankdarlehen hinaus empfiehlt es sich für Existenzgründerinnen, auch von öffentlichen Förderprogrammen Gebrauch zu machen.

Wenn die Gründerin die Finanzierung möglichst flexibel gestaltet, ist sie jederzeit in der Lage, auf berufliche und private Veränderungen reagieren zu können und schwankende Einkommenssituationen auszugleichen. Und wenn eine Zahnärztin, die ein Praxisdarlehen abzahlen muss, eine Babypause einlegen möchte, ist das offene Gespräch mit der Bank ihres Vertrauens wichtig. So lässt sich feststellen, wie sich die Auszeit auf die Finanzierung auswirkt, und gemeinsam eine Lösung finden. Als eine von vielen Möglichkeiten wäre etwa denkbar, dass die Praxis in der Zwischenzeit durch eine angestellte Zahnärztin weitergeführt wird. Neue Ideen und Offenheit auch bei der Finanzierung sind gefragt. So wie die „Existenzgründung mit Airbag“. Das bedeutet: Sollte innerhalb der ersten drei Jahre ein Insolvenzverfahren eröffnet werden, verzichtet die apoBank auf die Forderungen aus dem Existenzgründungsdarlehen. Das gibt Sicherheit und mindert das Risiko.

Als Fazit bleibt: Der Gang in die Selbständigkeit ist stets eine persönliche Herausforderung. Mit den richtigen Partnern lässt sie sich in der Regel gut meistern. Wenn Sie Fragen zu den oben beschriebenen Themen haben, bin ich sehr gerne für Sie da!


Autorin:

Petra Knödler, Marktgebietsleiterin bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank


Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Niederlassung Frankfurt

Mainzer Landstraße 275

60326 Frankfurt

Tel. 069-795092-900

 

Tipp als PDF-Download