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(re.) Dr. Katrin Montanus-Werner (Privatfoto)

in vivo: Dr. Katrin Montanus-Werner

Vor 25 Jahren hat Dr. Katrin Montanus-Werner ein Mehrparteienhaus im Meerbuscher Stadtteil Osterrath gekauft und ihre Praxis neu gegründet. Mittlerweile hat sie sieben Mitarbeiterinnen einschließlich einer angestellten Zahnärztin und drei Behandlungszimmer. Als „Familienpraxis“ sind ihre Schwerpunkte Kinder- und Jugendzahnheilkunde, ästhetisch-restaurative Zahnmedizin sowie Parodontologie.

Warum ich Zahnärztin geworden bin:

Ich liebe es, mit meinen Händen zu arbeiten und habe mir schon in der Schulzeit ausgefallene Kleider selbst genäht. Ursprünglich wollte ich Modemacherin werden. Dann entschied ich mich aber doch für das ,,sichere“ Studium und den Zahnarztberuf. Über ein Praktikum in der Zahnarztpraxis meines Onkels habe ich die Leidenschaft für die Zahnmedizin entdeckt. Rückblicken würde ich sagen, Zahnärztin zu werden, war die richtige Entscheidung.

Was ich an meinem Beruf besonders mag:

Wenn wir nicht zu viel Zeit mit Verwaltung verbringen, besteht unser Beruf zu 90 Prozent aus handwerklicher Arbeit. Das liegt mir und macht mir richtig Spaß! Darüber hinaus schätze ich den Austausch mit Patienten ebenso wie mit dem Team. Ein ehrliches Feedback hilft dabei, sich stets weiterzuentwickeln und immer besser zu werden. Und auch die unternehmerische Seite der Praxisführung bedeutet mir viel. Marketing, Teamführung, Investitionen: eine Praxis erfolgreich zu führen, hat viele Facetten, die spannend und reizvoll sind.

Was meine größte berufliche Herausforderung war/ist:

Sich nach der Gründung durchzusetzen, die Anfangsphase zu meistern und bei allem immer auch die Zahlen im Blick zu behalten, war eine Herausforderung. Nach der Trennung von meinem Mann vor gut zehn Jahren  musste ich mich noch straffer organisieren, um Familienleben mit zwei Töchtern im Alter von acht und zehn Jahren und Praxis unter einen Hut zu bringen. Dank Au-Pairs ist mir dies auch gut gelungen.

Das würde ich wieder genau so machen:

Ich würde immer wieder eine eigene Praxis gründen. Denn Selbstbestimmtheit ist eine meiner Lebensmaximen. Und ein Muss, wenn man unabhängig sein möchte – auch finanziell. Außerdem würde ich als Unternehmerin immer Wert auf ein respektvolles Miteinander im Team und mit den Patienten legen. So ist das Arbeiten angenehm und die Stimmung positiv, was auch bei Patienten gut ankommt. Nicht zuletzt profitiert die Qualität der Arbeit von einem wohlwollenden Miteinander, da sich jedes Team-Mitglied für seinen Bereich verantwortlich fühlt. Das „Wir-Gefühl“ fördere ich unter anderem mit gemeinsamen Events und Städtereisen.

Davon kann ich nur abraten:

Ich rate Kolleginnen davor ab, Angst und Scheu vor der Selbstständigkeit zu haben. Wenn man seine eigene Herrin sein möchte und gut organisiert ist, funktioniert es. Das andere und für mich abschreckende Extrem ist die Arbeit in einem Medizinischen Versorgungszentrum. Da geht man als eigenständige Person unter, wird auf seine Fachkompetenz reduziert und fremdbestimmt, was etwa  Patientenwahl, Terminvergabe und Arbeitszeiten betrifft.

Folgende Entwicklung in der Zahnmedizin der vergangenen Jahre begrüße ich:

Die Entwicklung und Etablierung im Bereich der Prophylaxe - mit all ihren Facetten - ist ein großer Gewinn für die Zahnmedizin. Ich selbst habe viele Patienten, die von Kindesbein an zu mir kommen und jetzt mit Mitte 20 noch ein kariesfreies Gebiss haben.

Wenn ich beruflich eine Sache verändern könnte, wäre dies:

Ich würde Qualitäts- und Hygiene-Management auf ein gesundes Maß zurückstutzen. Es ist ein Wahnsinn, wie viele Investitionen in Geräte, Zeit und Weiterbildungen des Teams mittlerweile in diese Themen fließen und wieviel Bürokratie damit einhergeht, ohne dass ein wirklich erkennbarer Mehrwert daraus resultiert. Wer QM und Hygiene nach gesundem Menschenverstand und mit dem zahnärztlichen Berufsethos vereinbar betreibt, braucht nicht immer wieder neue Auflagen, Bestimmungen und Kontrollen.

Netzwerke sind für mich wichtig, weil …

sie den Austausch und die Kommunikation unter Kolleg(inn)en fördern. Davon profitieren alle Beteiligten. Der Trend geht in Richtung Vernetzung. Das Einzelkämpfertum mit Abschottung und Konkurrenzangst gehört meiner Meinung nach der Vergangenheit an.

Mein Lebensmotto:

Das Leben ist bunt und schön – mach etwas daraus!

Mein Tipp für junge Kolleginnen:

Startet mit Leidenschaft und Leistungsbereitschaft mutig in den Beruf. Dann wird sich euer persönlicher Weg herauskristallisieren.