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Dr. Monika Boß wandert in ihrer Freizeit gerne.

in vivo: Dr. Monika Boß

Seit 1998 ist Dr. Monika Boß in eigener Praxis in Ratingen/Lintorf niedergelassen. Zusätzlich zu ihrer zahnärztlichen Qualifikation ist sie in Parodontologie, Endodontie, Kiefergelenkstherapie, Akupunktur und Homöopathie ausgebildet. Mit ihrem 14-köpfigen Team, davon drei Zahnärztinnen  und drei Prophylaxe-Spezialistinnen, behandelt sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Warum ich Zahnärztin geworden bin:
Meine negativen Erfahrungen in Zahnarztpraxen als Kind und Jugendliche haben mich dazu bewogen, „es besser machen zu wollen“. Noch heute erinnere ich mich lebhaft an die nach Zigarettenrauch riechenden Hände meiner damaligen Zahnärztin und einer schlaflosen schmerzvollen Nacht nach einer Wurzelkanalbehandlung. Außerdem haben mich handwerkliche Arbeiten schon immer fasziniert.

Was ich an meinem Beruf besonders mag:
Ich mag es, anderen Menschen zu helfen, sie von Schmerzen zu befreien und ihnen mit schönen und gesunden Zähnen ein Stück Lebensqualität zu schenken. Durch meine eigenen Kindheitserlebnisse kann ich Ängste gut verstehen und einfühlsam mit Patienten umgehen, was diese sehr dankbar annehmen. Das positive Feedback und das Gefühl, etwas Gutes zu tun, bestärken mich in meiner Entscheidung für den Zahnarztberuf und geben mir Kraft.

Was meine größte berufliche Herausforderung war/ist:
Meine größte Herausforderung ist dreigeteilt. Der Schritt in die Selbstständigkeit war Teil 1. Obwohl ich ihn 1998 damals gemeinsam mit einer Studienkollegin gegangen bin und mich durch die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sehr gut beraten und betreut gefühlt habe, musste ich in die Rolle der Chefin erst hineinwachsen. Als meine Kollegin nach zehn Jahren aus der Praxis ausgestiegen ist, war es eine neue Herausforderung, plötzlich alleine verantwortlich zu sein und die Praxis auch wirtschaftlich am Laufen zu halten. Und, last, but not least, hat mich dieses Jahr der Umzug in meine neuen Praxisräume sehr gefordert. Ich habe die ehemalige Kassenhalle einer Bank komplett umbauen und barrierefrei sowie vollständig digitalisiert eingerichtet. Planung und Vor-Ort-Termine, Verhandlungen mit Stadt und Vermietern und nebenbei die bestehende Praxis zu führen, hat viel Kraft gekostet. Zum Glück haben mein Team und mein Mann mich toll unterstützt.

Das würde ich wieder genau so machen:
Ich würde wieder Zahnärztin werden wollen, da ich meinen Beruf mit Menschen liebe.

Davon kann ich nur abraten:
Ich kann Kolleginnen und Kollegen nur davon abraten, zu gutgläubig ins Berufsleben oder in die Selbstständigkeit zu starten. Eine Praxis ist ein kleines Unternehmen mit Buchhaltung, Teamführung, Verwaltungsarbeit usw. Ob Betriebswirtschaft, Kommunikation oder Marketing: vieles, was im Studium nicht vermittelt wird, lernt man erst über Erfahrungen in einer Zahnarztpraxis. 

Folgende Entwicklung in der Zahnmedizin der vergangenen Jahre begrüße ich:
Ich bin ein großer Fan der Digitalisierung! Meine Praxis ist komplett digitalisiert. Wir arbeiten ohne Karteikarten, klären mit iPad auf, röntgen digital. Auch die Abrechnung geht mit moderner Technik schneller und sorgfältiger. Und wenn etwa Mitarbeiterinnen, die in Teilzeit oder mit Kindern von zu Hause aus arbeiten, auf unsere Daten zugreifen möchten, können sie das mit gesicherten Passwörtern flexibel und mobil tun.

Wenn ich beruflich eine Sache verändern könnte, wäre es dies:
Ich würde mir mehr Einfühlungsvermögen und Verständnis und eine Mentalität der Akzeptanz und Wertschätzung unserem Berufsstand und unseren Leistungen gegenüber wünschen. Dann würden Krankenkassen nicht acht Euro für ein Beratungsgespräch veranschlagen, für das ich mir zwischen einer halben und einer Dreiviertelstunde Zeit nehme. Und es wäre auch für Patienten selbstverständlicher, dass bestimmte hochwertige Leistungen auch mit Zuzahlungen verbunden sind.

Netzwerke sind für mich wichtig, weil …
ich mich mit Kolleg(inn)en austauschen und abgleichen kann. Ich habe zum Beispiel mit einer Kollegin in unserer Region einen Qualitätskreis gegründet, in dem wir regelmäßig Patientenfälle besprechen. Auch bei Schwangerschaften oder in Urlaubszeiten vertreten wir uns gegenseitig. Bei Netzwerkabenden wie dem ladies dental talk schätze ich den Austausch mit neuen Kolleginnen und anderen Expertinnen der Dentalbranche.

Mein Lebensmotto:
Jeden Tag das Leben genießen und das Schöne sehen.

Mein Tipp für junge Kolleginnen:
Ich empfehle jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten, schon während des Studiums in Zahnarztpraxen zu hospitieren, um Erfahrungen zu sammeln und Einblicke, auch in die betriebswirtschaftliche  Seite der Praxisführung zu bekommen.