Start > Fachinfos > in vivo: Zahnärztinnen im Porträt
Im letzten Jahr bin ich Mutter geworden und glücklich, zu erleben, dass Praxis und Familienleben gut zusammengehen können. Eine vorausschauende Planung und Organisation helfen, schnell wieder in die Praxis einzusteigen.

in vivo: Dr. Karin Schnell

Dr. Karin Schnell ist seit 2000 selbstständige Zahnärztin und hat seit 2002 ihre Praxis in Oberursel/Taunus. Seit einem Jahr ist die Implantologin und Implantat-Prothetikerin Mutter einer Tochter und arbeitet in Teilzeit.

Warum ich Zahnärztin geworden bin:

Geprägt von Zu Hause (Vater Zahnarzt, Mutter Ärztin) fand ich die Mischung zwischen der Zusammenarbeit mit Menschen (ihnen zu helfen) und Ästhetik immer schon sehr schön. Eigentlich wollte ich Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgin werden. Doch der Doppelstudiengang und dann die weiteren Spezialisierungen hätten mich damals mindestens 12 Jahre Studium gekostet. 12 Jahre meines Lebens nur studieren? So ganz ohne Arbeiten, das war nichts für mich. Ich wollte schon immer schnell „in die Praxis“.

Was ich an meinem Beruf besonders mag:

Ich kann den Erfolg meiner Arbeit sofort sehen. Ist das nicht wunderbar, einem Menschen wieder ein selbstsicheres Lächeln zu geben und ein neues Selbstbewusstsein? Zudem kann ich mir als Selbstständige meine Zeit so einteilen, wie ich es möchte. Und habe deshalb auch genügend Möglichkeiten, meine Freizeit zu genießen! Dies hat im letzten Jahr besonders an Bedeutung gewonnen, seitdem ich Mutter geworden bin.

Was meine größte berufliche Herausforderung war/ist:

In erster Linie ist dies das Management des Personals. Aber auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte sind eine Herausforderung. Mein Herz schlägt nun einmal für Zähne/Implantate, Gingiva und Kiefergelenk, und nicht für Zahlen. Doch auch dieses Wissen gehört zu einer erfolgreichen Praxis.

Das würde ich wieder genau so machen:

Auf mein Bauchgefühl zu hören. Auch wenn es bedeutet, mal ins kalte Wasser zu springen und keinen Rettungsring dabei zu haben, sondern auf die eigene Kraft und Fähigkeit zu vertrauen. Ich war zum Beispiel mal zwei Jahre lang auf Praxissuche. Ich habe mir etliche Praxen im Rhein-Main-Gebiet, sogar in München und in der Schweiz angeschaut. Immer aber passte etwas nicht, sei es die betriebswirtschaftliche Auswertung, die Lage oder der abgebende Kollege, mit dem die Chemie nicht stimmte. Und dann betrat ich die Räume meiner heutigen Praxis. Nach nur fünf Minuten wusste ich: Wenn die Eckdaten auch nur ansatzweise stimmen, werde ich alles daran setzen, diese Praxis zu bekommen. Und so kam es dann auch....

Davon kann ich nur abraten:

Sich unter Wert zu verkaufen. Wir alle haben lange studiert. Viele von uns haben noch einen zusätzlichen Tätigkeitsschwerpunkt, den sie sich hart erarbeiten mussten. Wir arbeiten nicht nur fachlich mit und am Patienten, sondern sind auch als Psychologen gefordert. Wir müssen Richtlinien einhalten und haben hohe Qualitätsstandards. Also bitte: Jede gute Leistung hat eben auch ihren Preis. Ich rate davon ab, sich selbst vor eine Entscheidung „Karriere oder Kind“ zu stellen. Ich meine, beides schließt sich nicht aus. Ich empfehle daher allen Kolleginnen, die eine Familie gründen wollen, es einfach zu tun.

Folgende Entwicklung in der Zahnmedizin der vergangenen Jahre begrüße ich:

Die Digitalisierung eröffnet uns enorme Möglichkeiten. Wir sind heute in der Lage, reproduzierbare Versorgungen vom Healing Abutment über das definitive Abutment, Provisorium und den fertigen Zahnersatz herzustellen. Und auch die dreidimensionale Planung und damit verbundene Erleichterung bei den OPs (DVT, navigiertes Implantieren) bis hin zu hervorragend passenden präfabrizierten Knochenaufbauten sind eine große Arbeitserleichterung und bieten ein hohes Maß an qualitativem Arbeiten.

Wenn ich beruflich eine Sache verändern könnte, wäre dies:

Auf jeden Fall eine bessere Ausbildung während des Studiums in Psychologie, BWL  und auch Einblicke in das Abrechnungswesen.

Netzwerke sind für mich wichtig, weil …

Netzwerke schenken mir immer wieder kleine Momente des Innehaltens und Reflektierens. Weiterhin bekomme ich viele Impulse oftmals persönlicher Art, die manchmal viel wichtiger sind als die fachlichen Tipps, die natürlich dabei auch nicht zu kurz kommen. So habe ich den „Surfer“ vom letzten ladies dental talk-Abend immer noch als mein Leitmotiv.*

Mein Lebensmotto:

Da bin ich etwas zwiegespalten: An manchen Tagen „lerne ich von gestern, lebe heute, plane für morgen“. Und manchmal „lebe ich jeden Tag, als sei er mein letzter.“

Mein Tipp für junge Kolleginnen:

Eigene Stärken stärken und mit den Schwächen leben: Versucht, euch auf eure Stärken zu konzentrieren und darin besser zu werden. Es bringt nichts, um jeden Preis eine Endo-Spezialistin werden zu wollen, wenn man viel lieber implantiert. Nur wenn ihr eurem Herzen/Bauch folgt, werdet ihr wirklich gut und authentisch auf eurem Fachgebiet! Und ihr merkt, wie viel Kraft und positive Energie in euch steckt.

*Beim genannten Netzwerkabend konnten die Teilnehmerinnen unter Anleitung der zertifizierten Selbstmanagement-Trainerin Sabiene Döpfner Mottoziele zur persönlichen Stärkung  definieren (Anmerkung des ladies dental talk).