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In ihrer Freizeit und zur Entspannung spielt Univ.-Prof. Dr. Nicole B. Arweiler gerne Klavier.

in vivo: Prof. Nicole Arweiler

Univ.-Prof. Dr. Nicole B. Arweiler ist Ordinaria und Direktorin der Klinik für Parodontologie der Philipps-Universität Marburg. Ihr Arbeits-, Lehr- und Forschungs-Schwerpunkt ist die Parodontologie. Die Zahnmedizinerin ist Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Fachgesellschaften unter anderen der DGP, DGI, DGZ sowie der IADR und ICD.

Warum ich Zahnärztin geworden bin:

Ursprünglich wollte ich Chemie oder Pharmazie studieren. Die Zahnmedizin wurde mir durch eine Zahnärztin im Bekanntenkreis nähergebracht. Sie erkannte meine Freude am Basteln und handwerklichen Gestalten und verdeutlichte mir diese Besonderheit am Zahn-Arztberuf erst. Dies ist mir auch heute noch ein wichtiger Aspekt der Zahnmedizin.

Was ich an meinem Beruf besonders mag:

Mir persönlich gefällt die Vielfalt der Tätigkeiten, die ich an der Universität erfüllen darf. Am Patienten zu arbeiten, Forschungsprojekte zu konzipieren und durchzuführen, den engen kollegialen Austausch zu leben, zu publizieren, zukünftige Zahnärzte und -ärztinnen auszubilden und ihnen ein Stück meiner Erfahrung mitzugeben, das gefällt mir. 

Was meine größte berufliche Herausforderung war/ist:

Manchmal ist der Tag nicht lang genug für mich. Und ich empfinde es als Herausforderung, zwischen Terminen im In- und Ausland, dem Uni- und Klinikalltag und zu Hause hin- und herzujonglieren. Das erfordert viel Disziplin und eine gute Organisation.

Das würde ich wieder genau so machen:

Familie und berufliche Karriere zu kombinieren. Das geht nämlich gut, wenn man Angebote zur Kinderbetreuung ohne schlechtes Gewissen nutzt. Darüber hinaus ist und wäre vieles ohne familiäre Unterstützung nicht möglich gewesen. So bin ich aber nun mit Beruf und Familie rundum zufrieden.

Davon kann ich nur abraten:

Zahnmedizin nur wegen guter Noten bzw. Erfüllung des numerus clausus zu studieren oder sich später im Beruf in eine Richtung drängen zu lassen, die einem nicht liegt.

Folgende Entwicklung in der Zahnmedizin der vergangenen Jahre begrüße ich:

Der höhere Stellenwert von Zahnerhalt und prophylaktischen Maßnahmen. Außerdem die Entwicklungen bei minimalinvasiven Therapie-Verfahren, parodontaler Regeneration sowie in der Zahn- und Zahnfleischästhetik.

Wenn ich beruflich eine Sache verändern könnte, wäre dies:

Es gibt immer wieder Kleinigkeiten, die einen ärgern oder nicht ganz passen, aber im Großen und Ganzen brauche ich keine Revolutionen.

Netzwerke sind für mich wichtig, weil …

…die Welt durch sie bunter wird. Sie ermöglichen den Austausch auf Augenhöhe, inspirieren, auch mal über den eigenen Tellerrand zu schauen und andere Perspektiven einzunehmen. Wie etwa der Austausch mit Studentinnen und Kolleginnen beim ladies dental talk (career).

Mein Lebensmotto:

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.

Mein Tipp für junge Kolleginnen:

Geht selbstbewusst euren Weg und habt Mut, euch auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Eine Spezialisierung, mit der man sich von anderen Kollegen unterscheidet, hilft sicher dabei, nicht untergebuttert zu werden und auch einmal Forderungen stellen zu können. Unser Beruf hat glücklicherweise sehr viele Facetten, von hoher Führungsposition, eigener Praxis, Spezialisierung oder Allgemeinzahnarzt über Angestelltenverhältnis, Teilzeit, Vollzeit oder auch Industrie. Die Chance, im Leben auch einmal wieder neu entscheiden zu können, ist der größte Vorteil in unserem Beruf.