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Draußen in der Natur unterwegs zu sein. Dabei tankt Sabine Witwer Kraft für ihren Beruf. (Privatfotos)

in vivo: Sabine Wittwer

Seit elf Jahren arbeitet Sabine Wittwer selbstständig als Zahnärztin. Die Schwerpunkte der Zahnärztin und gelernten Zahntechnikerin sind Hypnose und  KFO. 2011 hat sie sich in Mülheim an der Ruhr niedergelassen und ihre Praxis 2015 verkauft, als sie sich in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit ihrem Partner in Weikersheim niedergelassen hat. Sabine Wittwer ist Mitglied in der DGZH und bei Dentista.

Warum ich Zahnärztin geworden bin:

Mein Vater ist Zahntechniker und ich bin mit Modellen und Artikulatoren zu Hause aufgewachsen. Handwerklich zu arbeiten und zu basteln,  war als Kind immer mein Hobby. Da lag eine Ausbildung als Zahntechnikerin nahe. Der Umgang mit den verschiedenen Materialien und das Herstellen von Zahnersatz hat mir immer viel Spaß gemacht. Nach einiger Zeit habe ich eine neue Herausforderung gesucht und gleich  einen Studienplatz  in der Zahnmedizin bekommen. Als Zahnärztin kann ich heute mein Interesse an der Zahnmedizin ausleben und gleichzeitig meine Kenntnisse und Erfahrung in der Zahntechnik einbringen.

Was ich an meinem Beruf besonders mag:

Ich mag es, Patienten über Jahre zu betreuen und zu begleiten. Ängstliche Patienten liegen mir besonders am Herzen. Über Hypnosebehandlungen kann ich ihnen viel Angst nehmen. Und dann  freue ich mich, sie entspannt in die Praxis kommen und sich behandeln lassen, weil das Vertrauen zu mir und meinem Team gewachsen ist. Als Zahntechnikerin macht es  mir außerdem viel Spaß, das Lächeln meiner Patienten mit gelungenem Zahnersatz zu verschönern.

Was meine größte berufliche Herausforderung war/ist:

Der Verkauf meiner Praxis in Mülheim an der Ruhr. Es war schwer, eine Nachfolge zu finden, obwohl die Praxis digitales Röntgen hatte und auch sonst modern ausgestattet war. Die Verhandlungen und die gesamte Organisation waren nervenaufreibend, da mein Nachfolger und ich unterschiedliche Vorstellungen hatten. Heute bin ich in Weikersheim glücklich und stelle mich täglich der Herausforderung QM umzusetzen, die Verwaltung,  Personalführung und Patientenbehandlung unter einen Hut zu bringen und mir bei all dem auch selbst gerecht zu werden. Mit Sorge beobachte ich, dass wir immer mehr Gesetze und Bestimmungen erfüllen müssen. Stichworte: QM,  RKI-Empfehlung, Patientenrechtegesetz, Antikorruptionsgesetz.

Das würde ich wieder genau so machen:

Ich würde mich wieder selbstständig machen. Schon als Studentin wollte ich immer eine eigene Praxis. Dann habe ich aber doch fünf Jahre gebraucht. Diese „Lehr- und Wanderjahre“ in verschiedenen Praxen und die damit verbundenen Erfahrungen und Erlebnisse waren besonders wichtig und wertvoll.

Davon kann ich nur abraten:

Für Familie und Kinder auf eine Selbstständigkeit zu verzichten und sich in einer Praxis als angestellte Zahnärztin für die Ziele des Chefs/der Chefin instrumentalisieren zu lassen. Dabei sich dann fachlich in eine Richtung drängen zu lassen, die nicht den eigenen Wünschen und Begabungen entspricht. Als angestellte Zahnärztin, ist aus meiner Sicht wichtig, sich ein angemessenes Gehalt zahlen zu lassen, die männlichen Kollegen treten da häufig viel selbstbewusster auf als wir Frauen.

Folgende Entwicklung in der Zahnmedizin der vergangenen Jahre begrüße ich:

Die Digitalisierung, auch im Laborbereich erleichtert die Herstellung von Zahnersatz. Durch Fräszentren können viele Leistungen  wie etwa  Zirkon-Kronen angeboten werden, ohne selbst  aufwändige Geräte kaufen zu müssen.

Wenn ich beruflich eine Sache verändern könnte, wäre dies:

Die erfahrene einseitige Lehre in den Universitäten bei der ein großer Teil des Berufs ausgeklammert wird. Praxisführung,  Organisation und  Kommunikation sollten neben fachlichen Themen dringend integriert werden. Und es wäre mir ein Bedürfnis, den Medien Stoff für positive Zahnarzt-Geschichten zu liefern. Es gibt so viele tolle Praxen. Die negativen Schlagzeilen finde ich in unserem Beruf überrepräsentiert.

Netzwerke sind für mich wichtig, weil …

sich  durch die Zusammenarbeit und den kollegialen Austausch untereinander immer neue Perspektiven eröffnen und Impulse zur persönlichen Weiterentwicklung gegeben werden. Das habe ich in Mülheim bei der Leitung der Qualitätszirkel Hypnose und DGZH erlebt. Neben fachlichen bekommt man auch organisatorische Tipps. Der Blick von „außen“ hilft häufig gegen „Betriebsblindheit“, die sich oft automatisch mit den Jahren einstellt.

Mein Lebensmotto:

Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere Tür auf und „Der Weg ist das Ziel“

Mein Tipp für junge Kolleginnen:

Sich frühzeitig für Abrechnung, Verwaltung und damit verbundene Themen der Praxis-Organisation (Hygiene, QM etc.) zu interessieren. Fortbildungen zu besuchen und in der Praxis, in der man als Assistentin tätig ist, alle Bereiche anzuschauen, von erfahrenen Mitarbeiterinnen erklären zu lassen und zu hinterfragen. Und bei allem das Privatleben und Hobbies und vor allen die eigene Gesundheit  nicht aus den Augen zu verlieren.