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3 Fragen, 3 Antworten

Mindestlohn

 

Katri Helena Lyck ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht. Sie ist Mit-Geschäftsführerin der Kanzlei Lyck & Pätzold Medizinanwälte (Bad Homburg / Darmstadt / Mainz).

1. ladies dental talk: Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Welche besonderen Herausforderungen gehen damit für Zahnarztpraxen einher? 

Lyck: Die größte Herausforderung besteht darin, dass Zahnärztinnen ihr Gehaltsgefüge dahingehend überprüfen sollten, ob sie diesen Mindestlohn auch an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlen. Wenn nicht, müssen sie die Gehälter entsprechend anpassen. Sonst riskieren sie, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten und unter Umständen Strafen von bis zu 500.000 Euro zahlen zu müssen.

Mit einem im Internet bereitgestellten Mindestlohnrechner (www.der-mindestlohn-kommt.de) ist die Berechnung einfach. Anhand des gezahlten Bruttomonatslohns lässt sich ermitteln, ob der aktuell von der Praxis gezahlte Bruttostundenlohn über oder unter dem Mindestlohn liegt. 

2. ladies dental talk: Was gilt es bei nicht fest angestellten Team-Mitgliedern zu bedenken?

Lyck: Oft finden sich neben dem „festen Team“ auch Minijobber, wie Reinigungskräfte oder kurzfristig Beschäftigte auf der Gehaltsliste. Auch diese haben seit Januar einen Anspruch auf einen Mindestlohn von 8,50 pro Stunde. Bei geringfügig Beschäftigten darf der Monatslohn nicht über 450 Euro liegen. Sonst wird die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig. 

Das Mindestlohngesetz schreibt außerdem für Minijobber eine detaillierte Stundenaufzeichnung vor, die mindestens ein Mal wöchentlich „Beginn, Ende und Dauer“ der täglichen Arbeitszeit auflistet. Arbeitgeber/innen, die ihre Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten verletzen, droht ebenfalls ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro, unabhängig davon, ob sie den Mindestlohn zahlen oder nicht.

3. ladies dental talk: Und wie sieht es mit Auszubildenden und Praktikanten aus?

Lyck: Für unter 18-Jährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung und Auszubildende gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn – sie erhalten eine Ausbildungsvergütung. Bei Praktikanten kommt es auf die Art des Praktikums an. Der gesetzliche Mindestlohn gilt auch für alle freiwilligen Praktika, die nach einem Studienabschluss oder nach einer Berufsausbildung geleistet werden. Das Gesetz schreibt außerdem einen Qualitätsrahmen für Praktika vor: Praktikanten müssen zukünftig einen Vertrag bekommen mit klaren Praktikumszielen und haben Anspruch auf ein Zeugnis.

 

Kontakt:

Katri Helena Lyck
Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

Lyck + Pätzold healthcare.recht
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61352 Bad Homburg
Tel.: 06172-139960
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