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Experten-Tipp: Medizinrecht

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Qualitätsmanagement -
Von festgelegten Praxisabläufen profitieren


                                                                                                       
Autorin:
Katri Helena Lyck, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht
(Lyck & Pätzold Medizinanwälte - Bad Homburg)

Gesetzliche Grundlagen für das Qualitätsmanagement in der Praxis

Bei den Netzwerkabenden des ladies dental talk zeigt sich immer wieder: Zahnärztinnen sind in Punkto „Qualitätsmanagement“ zerrissen. Es gibt diejenigen, die es selbstverständlich leben und diejenigen, die in den Bestimmungen nur „Schikane“ sehen und anzweifeln, dass die Verpflichtungen die Praxis besser macht.

Fakt ist: Qualitätsmanagement ist nach § 135 a SGB V[1] Pflicht für niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte. In Absatz 2 verpflichten sie sich, sich sowohl an einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der Qualitätssicherung zu beteiligen, als auch einrichtungsintern ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln.

Gemeinsamer Bundesausschuss legt Richtlinien fest

Diese verpflichtenden Maßnahmen der Qualitätssicherung werden im Bereich der vertragszahnärztlichen Versorgung vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) durch Richtlinien festgesetzt. Unter Qualitätsmanagement versteht der Gemeinsame Bundesausschuss die kontinuierliche und systematische Durchführung von Maßnahmen, mit denen eine anhaltende Qualitätsförderung und -verbesserung erreicht werden kann.

Strukturen als Chance sehen

Was auf den ersten Blick wie eine Bevormundung aussehen kann, bietet tatsächlich die Chance, die Praxisorganisation sowie Arbeitsabläufe und Ergebnisse regelmäßig zu überprüfen, zu dokumentieren und gegebenenfalls zu verändern – also zu optimieren. So entstehen Qualitäts-Standards, die verlässlich und reproduzierbar sind. Dies trägt dazu bei, dass die Patientenversorgung gesichert und verbessert werden kann. Das wiederum steigert die Patientenzufriedenheit. 

Zwei Jahre Gewähr auf Zahnersatz und Füllungen

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat neben Qualitätssicherung auch spezielle Qualitätskriterien für den zahnärztlichen Bereich zu beschließen. Hinsichtlich der Versorgung mit Füllungen und Zahnersatz übernimmt ein Zahnarzt nach § 137 Abs. 4 Satz 3 SGB V eine zweijährige Gewähr: Identische und Teilwiederholungen von Füllungen sowie die Erneuerung und Wiederherstellung von Zahnersatz einschließlich Zahnkronen sind in diesem Zeitraum vom Zahnarzt kostenfrei vorzunehmen.
Bereits am 17.11.2006 hat der GBA eine Qualitätsmanagement-Richtlinie vertragszahnärztlicher Versorgung beschlossen, in der neben der Methodik auch grundsätzliche Anforderungen und Instrumente der Qualitätssicherung näher beschrieben werden. Diese Richtlinie regelt, dass Vertragszahnärzte Ziele, eingesetzte Elemente und Instrumente der Qualitätssicherung regelmäßig zu dokumentieren haben. Um die neuen qualitätssichernden Maßnahmen umzusetzen, wurde den betroffenen Ärzten und Zahnärzten eine Übergangsfrist von vier Jahren gesetzt.

KVn können Dokumentation einfordern

Die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen werden durch die Richtlinie ermächtigt, nach Ablauf dieser vier Jahre, mithin mit Wirkung ab 01.01.2011, jährlich mindestens 2,0 % zufällig ausgewählte Vertragszahnärzte zur Vorlage einer entsprechenden schriftlichen Dokumentation aufzufordern.
Ärzte und Zahnärzte können dieser gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentationspflicht nur entgehen, wenn sie darauf spekulieren, nicht unter den durch die Kassenzahnärztliche Vereinigung zufällig ausgewählten Kreis zu fallen. Oder wenn sie vollständig auf die Behandlung gesetzlich krankenversicherter Patienten verzichten. In beiden Fällen wird eine Chance vertan, Arbeitsabläufe in der Praxis effizienter zu gestalten und zu organisieren.

Bei Verstoß droht Gehaltsverlust

Nicht zuletzt muss vor den Konsequenzen gewarnt werden, die entstehen, wenn ein Vertragszahnarzt seinen Dokumentationspflichten nicht nachkommt: Reicht ein Zahnarzt seine Dokumentationen nicht innerhalb eines Zeitraums von vier bzw. sechs Wochen nach Zugang der Aufforderung durch die Kassenzahnärztliche Vereinigung ein, wird er zunächst an die Abgabe erinnert.
Wird die Dokumentation aus Gründen, die der Zahnarzt zu vertreten hat, innerhalb einer weiteren Frist von vier Wochen nach Zugang der Erinnerung nicht eingereicht, wird vermutet, dass alle im betreffenden Quartal abgerechneten Leistungen nicht den Qualitätsanforderungen entsprechen. In diesem Fall kann die Kassenzahnärztliche Vereinigung entscheiden, ob sie diese Leistungen schlicht weg nicht vergütet oder bereits geleistete Vergütungen zurückgefordert.

Fazit

Ein Verstoß gegen die Verpflichtung zur Qualitätssicherung und deren Dokumentation hat weitreichende Folgen und kann dazu führen, dass die gesamten in einem Quartal erbrachten vertragszahnärztlichen Leistungen nicht vergütet werden. Um auf Nummer Sicher zu gehen und auch den Patienten ein standardisiertes Qualitätsniveau zu bieten, empfiehlt es sich für Vertragszahnärzt/innen, ein effektives QM in ihrer Praxis umzusetzen.



[1] § 135a Verpflichtung zur Qualitätssicherung

(1) Die Leistungserbringer sind zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der von ihnen erbrachten Leistungen verpflichtet. Die Leistungen müssen dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen und in der fachlich gebotenen Qualität erbracht werden.
(2) Vertragsärzte, medizinische Versorgungszentren, zugelassene Krankenhäuser, Erbringer von Vorsorgeleistungen oder Rehabilitationsmaßnahmen und Einrichtungen, mit denen ein Versorgungsvertrag nach § 111a besteht, sind nach Maßgabe der §§ 137 und 137d verpflichtet,
1.sich an einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der Qualitätssicherung zu beteiligen, die insbesondere zum Ziel haben, die Ergebnisqualität zu verbessern und
2.einrichtungsintern ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln.
Vertragsärzte, medizinische Versorgungszentren und zugelassene Krankenhäuser haben der Institution nach § 137a Abs. 1 die für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben nach § 137a Abs. 2 Nr. 2 und 3 erforderlichen Daten zur Verfügung zu stellen.

 

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Kontakt:

Katri Helena Lyck
Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht

LYCK & PÄTZOLD Medizinanwälte
Nehringstraße 2
61352 Bad Homburg
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