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Petra Knödler, Leiterin des Marktgebiets Mitte bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

3 Fragen, 3 Antworten

Für Zahnärztinnen und Zahnärzte haben ideelle Werte Priorität.

Interview mit Petra Knödler, Leiterin des Marktgebiets Mitte bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. Die apoBank ist ausgewählter Strategie-Partner des ladies dental talk.

1. Die apoBank hat kürzlich Ärzte, Zahnärzte und Apotheker nach ihren Werten, Zielen und Wünschen befragt, welchen Zweck verfolgt die Studie Inside Heilberuf?

Petra Knödler: Wir sind ein Finanzinstitut mit einem besonderen Auftrag unserer Eigentümer, die selbst Apotheker, Ärzte, Zahnärzte oder Tierärzte sind. In der Satzung der apoBank ist die Förderung dieser Heilberufe fest verankert. So beobachten wir genau die Entwicklungen im Gesundheitswesen und analysieren die Auswirkungen auf die Heilberufsausübung. Entsprechend sehen wir auch hier den aufkommenden Fachkräftemangel und Handlungsbedarf, denn ein attraktives Berufsbild scheint wichtiger denn eh und je, um flächendeckende Gesundheitsversorgung zu sichern. Was macht aber ein möglichst optimales berufliches Umfeld aus? Das hängt eng damit zusammen, welche Vorstellungen Ärzte, Zahnärzte und Apotheker vom Leben und Arbeiten haben – und die Antworten darauf liefert unsere Umfrage.

2. Wie wollen also Heilberufler gerne leben und arbeiten?

Petra Knödler: Die Prioritäten stehen fest: Familienleben und Partnerschaft erreichen mit 91 Prozent den absoluten Top-Wert. Finanzielle Sicherheit und Altersvorsorge folgen mit 85 Prozent Zustimmung, doch insgesamt sind ideelle Werte wichtiger als materielle. So rangieren Hilfsbereitschaft, Freizeit und gesunde Lebensweise deutlich vor Wohlstandskriterien und beruflicher Karriere. Diese Ergebnisse korrelieren auch mit dem zunehmenden Trend nach Teilzeitarbeit, den wir beobachten. Work-Life-Balance stellt also ein wesentliches Kriterium für die Attraktivität des Arbeitsplatzes.

In Bezug auf den beruflichen Alltag ist insbesondere der Ruf nach weniger Bürokratie ganz laut. Bei Zahnärzten ist er sogar am lautesten: 75 Prozent der Befragten sehen hier Handlungsbedarf. Sie würden insgesamt viel lieber mehr Zeit mit den Patienten verbringen als mit den Formalitäten. Diese Problematik ist nicht neu, aber unsere Umfrage zeigt nochmal, wie schwerwiegend dieser Umstand für die Berufsausübung ist. Die Digitalisierung birgt zwar viel Potential, um Heilberufler von bürokratischen Prozessen zu entlasten, doch die Entwicklung ist langsam, und es fehlen Anreize, um den Digitalisierungsprozess zu beschleunigen.

3. Sie haben auch Zahnärztinnen und Zahnärzte befragt, welche Besonderheiten zeichnen diese Berufsgruppe aus?

Petra Knödler: Im Vergleich zu Ärzten und Apothekern zeigen sich Zahnärzte innovativer und unternehmerischer: Die berufliche Karriere hat von allen Berufsgruppen für sie die höchste Relevanz. Sie zeigen auch vergleichsweise deutlich mehr Unternehmergeist und Offenheit gegenüber dem technologischen Fortschritt und Innovationen. Zahnärzte messen zwar der Vermögensbildung und dem Eigentum höhere Bedeutung bei als die anderen Heilberufler, doch auch für sie spielen diese materiellen Werte insgesamt keine vorrangige Rolle. Familienleben gehört für 94 Prozent der befragten Zahnärzte ganz oben auf die Skala der wichtigsten Lebensbereiche. Das ist sogar leicht über dem Gesamtdurchschnitt. Zahnärztinnen haben dabei tendenziell Familiengründung und Kindererziehung stärker im Fokus als ihre männlichen Kollegen, gleichzeitig aber auch ihre berufliche Karriere: 28 Prozent der befragten Zahnärztinnen planen in der nahen Zukunft eine Niederlassung, bei ihren männlichen Kollegen sind es nur 15 Prozent.
Insgesamt ist die Stimmung unter den Zahnmedizinern gut: Mit 56 Prozent ist die Mehrheit der Zahnärzte mit ihrer beruflichen Situation zufrieden, 19 Prozent stuften sich als unzufrieden ein, jeder vierte allerdings wollte sich bei dieser Frage nicht festlegen.

 

Kontakt:
Petra Knödler
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Niederlassung Frankfurt
Mainzer Landstraße 275
60326 Frankfurt
Tel. 069-795092-900